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Den Traumberuf getestet

 

Artikel aus der SchwäPo von Carolin Deiss

Kai Lumpp (19) gehört zu den ersten „Bufdis“ des Handballverbands Württemberg

Die Handballsaison 2011/2012 ist voll im Gang. Damit die Handballspielgemeinschaft (HSG) Oberkochen/Königsbronn in dieser Saison die Hallen unsicher machen kann, ist unter anderem Kai Lumpp als „Bufdi“ mit an Bord. „Bufdi“ ist eine Abkürzung für Bundesfreiwilligendienst. Und Kai gehört zu den sieben jungen Leuten, mit denen der Handballverband Württemberg (HVW) in diesem Jahr erstmals „Bufdi“-Stellen besetzt hat.

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Kai Lumpp aus Oberkochen (rechts) übernimmt als „Bufdi“ das Handballtraining für den HSG Oberkochen/Königsbronn. Außerdem ist der 19-Jährige an Schulen in der Region unterwegs. (Foto: käfer)

 

Oberkochen. Nach dem Abitur wusste Kai zunächst noch nicht genau, was er machen will. „Irgend etwas im Jugendsportbereich“, das stand für den 19-Jährigen aus Oberkochen fest. Denn er war bereits Handballtrainer und leitete eine Basketball-AG an der Schule. „Vielleicht werde ich auf Lehramt setzen“, lautete seine Idee.

Dann erfuhr Kai, dass der HVW über den Bundesfreiwilligendienst Stellen besetzen wolle. Im Juli dieses Jahres bewarb er sich dafür. Klaus Schoen, der Vorsitzende der HSG Oberkochen/Königsbronn, hatte ihm dazu geraten. „Daraufhin ging alles sehr schnell“, erzählt Kai. „Denn nach zwei Vorstellungsgesprächen bei HVW-Präsident Hans Artschwager in Stuttgart startete ich bereits im September mein soziales Jahr.“ Jetzt ist Kai sowohl als Trainer, als Handball-Botschafter, als Chauffeur und als Vaterersatz im HVW-Bezirk Stauferland tätig.

Der wöchentliche Arbeitsplan ist mit Terminen prall gefüllt
Der wöchentliche Arbeitsplan des 19-Jährigen ist mit Terminen prall gefüllt: Trainingszeiten mit seiner weiblichen A-Jugend und der männlichen C-Jugend stehen an, außerdem Fahrdienste, die Betreuung von Schul-AGs und Schulsportkooperationen. Kai ist in den Grundschulen rund um Oberkochen und Königsbronn ebenso unterwegs wie in anderen Schularten, bis hin zum Gymnasium, um den Kindern und Jugendlichen das Handballspielen beizubringen.
Vom HVW hatte Kai nur die Vorgabe bekommen, dass er sich mit den Schulen in Verbindung setzen und das Engagement für den Handball ausbauen solle. Alles andere leitete er dann selbst in die Wege. „Die Schulen nehmen meine Angebote sehr gut an“, erzählt er. „Inzwischen übernehme ich schon Lehreinheiten übers Handballspielen im normalen Sportunterricht. Ich stelle die schnelle Ballsportart vor. Ich hoffe, dass ich durch mein Engagement vielleicht auch ein paar Schüler über den Sportunterricht hinaus für Handball begeistern kann.“
Wenn man Kai fragt, was ihm als „Bufdi“ am meisten Spaß macht, antwortet er prompt: „Alles.“ Nur manchmal seien die Kinder so aufgedreht und machten dermaßen viel Quatsch, dass sie ihm nicht mehr zuhören. Das sei aber halb so wild.
Kai lernt nicht nur viele neue Menschen beim Training, in den Lehrgängen oder im Bezirk kennen. Sondern er hat auch regen Kontakt zu den anderen BFDlern, wie sich die „Bufdis“ offiziell nennen. Alle seien sehr nett und offen, die Arbeitskollegen seien sogar schon zu Kumpels geworden. „Nächstes Jahr werden wir zusammen für eine Woche nach Kroatien in ein Handball-Camp fahren“ erzählt Kai.
Für den Verein sei Kai eine echte Stütze, betont HSG-Vorsitzender Klaus Schoen. „Er übernimmt viele Tätigkeiten, wie beispielsweise Trainingseinheiten, für die wir ansonsten vielleicht keinen Trainer hätten.“ Der größte Vorteil sei, dass Kai die Fahrtdienste leisten könne, die aufgrund der Kooperation mit der TSG Schnaitheim notwendig sind. „Die Mitglieder der vier Jugendmannschaften haben auf Grund ihres Alters alle keinen Führerschein. Sie müssen aber nach Schnaitheim, Oberkochen oder Königsbronn ins Training kommen“, erläutert Klaus Schoen. „Da hätten wir ohne Kais Stelle riesige Anstrengungen unternehmen müssen, um alle von A nach B zu bringen.“
Auf den Straßen unterwegs ist Kai Lumpp auch an den Wochenenden. Er fährt zu den verschiedenen Spielen, um seine Mannschaft zu coachen. Oder eben, um selbst als Aktiver auf einem Spielfeld zu stehen.
Durch sein freiwilliges Arbeitsjahr beim Handballverein lernt Kai auch viele Arbeitsgebiete kennen, die nicht nur rein sportlicher Natur sind: Die Strukturen in einem Verein und speziell im Handballbezirk, mögliche Ansprechpartner. Und der 19-Jährige weiß jetzt auch, welche Hürden ihm die Bürokratie stellen kann. „Der große Vorteil für mich ist, dass ich später im Sport-Lehramtsstudium in solchen Fragen nicht bei Null anfangen muss“, sagt Kai. Klaus Schoen stimmt ihm zu: „Andere junge Leute, die nur zweimal in der Woche den Trainerposten übernehmen, können weitaus weniger Erfahrung sammeln als Kai in diesem einen Jahr.“ Um die C-Trainerlizenz zu erwerben, absolviert der Oberkochener zusätzlich verschiedene Lehrgänge. Sein Gehalt, das sich im Bereich eines Taschengeldes bewegt, zahle komplett der HVW.

Der Handballverband sucht jetzt bereits „Bufdis“ für nächstes Jahr
Auch Verbände anderer Sportarten suchten einen „Bufdi“, weiß Kai. „Bei unserem ‘Bufdi’-Einführungsseminar mit Freiwilligen aus allen Jugendsportbereichen waren auch Fechter, Basketballer und Leute aus dem Kampfsportbereich dabei“, erzählt er. „Der Handballverband erwarte keine expliziten Voraussetzungen. „Nur Handball sollte man schon einmal gespielt haben“, sagt Kai mit einem Schmunzeln im Gesicht. Der Sportlichste müsse man nicht sein. „Aber ihr solltet Kinder mögen und etwas Ahnung davon haben, wie ihr ihnen sportliche Ziele vermittelt.“ Darum sei es auch in seinen zwei Vorstellungsgesprächen beim HVW gegangen.
Kai und seine „Bufdi“-Kollegen sind die ersten Jungs und Mädels im Bundesfreiwilligendienst des HVW. Ihre Erfahrungen werden gesammelt und für die nächsten Bufdis ausgearbeitet. Denn von den „Bufdis“ profitierten alle, betont Klaus Schoen: Kai, die Kinder, der Verband und der Verein. Die HSG suche schon die Nachfolgerin oder den Nachfolger für Kai – für nächstes Jahr .

„Bufdis“ benötigen kein Abitur

Die HVW-Freiwilligen etwa kümmern sich ein Jahr lang in ihren Vereinen um die Kooperation Schule-Verein, sie legen aber auch die Trainer-C-Lizenz ab und sind als Jugendtrainer im Einsatz.
Der BFD dient als Ersatz für den bisherigen Zivildienst, er soll Angebote wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ergänzen. Grundsätzlich sieht das Gesetz zum Bundesfreiwilligendienst vor, dass Männern und Frauen jeden Alters nach der Erfüllung ihrer Vollzeitschulpflicht solche Stellen offen stehen. Ein BFD dauert normalerweise zwölf, mindestens sechs und höchstens 24 Monate und läuft in einer Vollzeitbeschäftigung ab. Sofern die Freiwilligen älter als 27 Jahre sind, ist auch Teilzeit von mindestens 20 Wochenstunden möglich. Wie früher der Zivildienst, soll auch der BFD nicht zu einer Verdrängung oder einem Ersatz regulärer Arbeitskräfte führen, sondern allein unterstützende Tätigkeiten beinhalten. Er soll in den bisher von Zivis besetzten Plätzen und Bereichen geleistet werden. Allerdings kommen als Einsatzbereiche auch Tätigkeiten im Sport, zur Integration und in kulturellen Einrichtungen hinzu.

Fortbildungsseminare an 25 Tagen gehören zum Freiwilligendienst dazu
Den Freiwilligen stehen innerhalb ihres BFD-Jahres 25 Tage für übergeordnete, aber auch fachbezogene Fortbildungen zu. Beim Handballverband Württemberg zum Beispiel zählen dazu jeweils fünf Tage Einführungs- und Abschlussseminar durch die Baden-Württembergische-Sportjugend, hinzu kommen 15 Bildungstage direkt beim HVW. In diesen 15 Bildungstagen geht es auch um den Erwerb der C-Lizenz.

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